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Die Entstehung der Heilstätte Gottleuba


1828 bis 1913

In Gottleuba wurden 1828 die ersten Heilquellen erwähnt. Im Postlexikon ist von einer Mineralquelle, dem sog. Herzogbrunnen, die Rede.

1861 entstand das erste Kurbad mit vier Badezellen. 1882 beschrieb der Königliche Bezirksarzt Dr. Eras im Gutachten über das Gottleubaer Stadtbadewasser den Herzogbrunnen als "erledigte Stahlquelle mit hohem Eisengehalt und sehr heilkräftig", empfohlen zur Bade- und Trinkkur bei Bleichsucht, Blutarmut, in der Rekonvaleszenz von schweren Krankheiten und bei Schwächezuständen.

1886 entdeckte man auf Gottleubaer Flur ein bedeutendes Moorlager, das durch die "Königlich-chemische Centralstelle für öffentliche Gesundheitspflege" analysiert wurde und nun auch für Bäder genutzt werden konnte. Das 1880 von dem Zehistaer Ziegelei- und Kalkwerkbesitzer Heschel erbaute kleine Badehaus wurde 1887 auf 40 Badezellen erweitert. Unter dem Namen "Stadtbad" entstand damit "Auf dem Walle" eine Badeanstalt, in der Moor-, Stahl- und sonstige Heilbäder verabreicht wurden. Zwei neue Logierhäuser für Badegäste wurden errichtet. Im gleichen Jahr wurde Gottleuba als "Heilbad" in die Liste sächsischer Bäder aufgenommen.

Die "sozialen Schäden der Industrialisierung", wie sie später vom deutschen Kaiser genannt wurden, veranlassten in den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts Otto von Bismarck zu einem Gesetzesprogramm, das dem Arbeiter vor den "Wechselfällen des Lebens" (Unfall, Krankheit, Invalidität) einen gewissen Schutz bieten sollte. Mit dem Gesetz vom 22. Juni 1889, das am 1. Januar 1891 in Kraft trat, wurde eine Alters- und Invaliden-Rentenversicherung eingeführt. In ihm wurde auch die Gewährung von Heilverfahren geregelt. Die Versicherungsanstalten wurden "befugt", die Kosten für ein Heilverfahren zu übernehmen, wenn Erwerbsunfähigkeit drohte und die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf Invalidenrente erfüllt waren.

Mit dem 1. Januar 1891 nahm die Versicherungsanstalt für das Königreich Sachsen ihre Tätigkeit auf. 1893 erfolgte die erste Badekur für einen Versicherten.

1902 mietete die Versicherungsanstalt Sachsen das "alte Badegrundstück" in Gottleuba, um es für 24 männliche Patienten als Genesungsheim zu nutzen. Rheumatismus, Ischias, Anämie, Nervenschwäche und Zustände nach schweren Krankheiten oder größeren Operationen waren Begründungen für einen Aufenthalt in diesem Genesungsheim.

Nachdem die Patienten im Gottleubaer Genesungsheim mit guten Erfolgen Heilverfahren erhalten hatten, entschied sich der Vorstand der Versicherungsanstalt auf Vorschlag ihres Vorsitzenden, Rudolf Weger, in Gottleuba eine größere Heilstätte zu bauen.

Die landschaftlichen Reize, das angenehme Klima, die günstigen Bodenpreise in dem nur kleinen Städtchen und die seit 1905 bestehende Eisenbahnverbindung waren günstige Voraussetzungen für das Vorhaben.

Das Dresdner Architektenbüro Schilling & Gräbner erhielt den Auftrag für eine großzügige Heilstättenanlage, die 1909 bis 1913 auf einem 28 ha großen Südosthang am linken Gottleubaufer entstand.

34 Bauwerke im Jugendstil umfasste das Gesamtwerk. Das Pavillonsystem bot die Möglichkeit, die Patienten in kleinen Gruppen, in denen sie sich bald heimisch fühlten, zu betreuen. Das schlossartig angelegte Kurmittelhaus bildete den Mittelpunkt. In ihm wurden die Anwendungen verabreicht.

Alle Bauten, gleich ob Patientenunterkunftshaus, Küchengebäude oder Pfortenhaus, wurden funktionell durchdacht konstruiert und mit jugendstilgerechtem Schmuck versehen.

Am 19. Mai 1913 konnte die Heilstätte in Gottleuba dem leitenden Arzt, Sanitätsrat Dr. Friedrich Bartels, übergeben werden. Damals war eine Kapazität von 800 Betten geplant.

1914 bis 1945

Nur kurze Zeit konnte der normale Heilstättenbetrieb aufrecht erhalten werden, denn 1914 kamen die ersten verletzten Soldaten in das "Vereinslazarett" Gottleuba. Zwischen 1914 und 1919 wurden hier 4.391 Kriegsverletzte behandelt. Die Anlage blieb unzerstört.
Obwohl das Gelände nicht zerstört wurde, gelang es der LVA nur unter größter Anstrengung den Kurbetrieb aufrecht zu erhalten. Denn es kündigte sich 1923 die Hyperinflation an. So wurde die Anlage von der Staatsregierung des Freistaates Sachsen übernommen. Die vorrübergehende Schließung der Anlage konnte aber nicht verhindert werden. 1924 - ein Jahr später - wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen.
1937 erhielt Gottleuba die amtliche Anerkennung "Bad".
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 entstand wieder ein Reservelazarett im Gelände. Gegen Kriegsende wurde das Lazarett geräumt. Am 8. Mai 1945 übergab der Chefarzt die Heilstätte dem Befehlshaber der Roten Armee.

1945 bis 1990

1946 konnte wieder ein bescheidener Kurbetrieb aufgenommen werden. Die Wiedereröffnung des Kurmittelhauses erfolgte 1948. Die vollständige Aufnahme des Kurbetriebs konnte erst 1950 wieder beginnen.
Bereits 1949 erhielt die Anlage den Status eines Sanatoriums, welches bald in der gesamten DDR bekannt wurde. Es folgte der kontinuierliche Ausbau und die Weiterentwicklung der Anlagen durch Neuerungen in der Technik und Medizin.

1990 bis jetzt

Im Zuge der Wiedervereinigung wurde die Klinik an die neugegründete Landesversicherungsanstalt (LVA) Sachsen zurückgegeben. Am 1.7.1991 ging die Klinik in private Trägerschaft über. Es wurde ein Konzept für den Um- und Ausbau erarbeitet. 1997 waren diese Maßnahmen weitestgehend abgeschlossen.
Heute stehen 6 moderne Fachkliniken und ein Hotel für ambulante Kuren zur Verfügung.

Luftbild des Kurparks

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